2018 / 2019

Veranstaltungen 2018/2019

Die Vorträge finden jeweils um 19.30 Uhr in der Volkshochschule, Ländgasse 41, statt.
Bitte beachten Sie die Informationstafel im Eingangsbereich.

23. Oktober 2018

Dr. Dominik Reither, Moosburg

Stalag VII A (Moosburg) – ein deutsches Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkriegs

Auf dem Gebiet von Moosburger a. d. Isar (Landkreis Freising) befand sich während des Zweiten Weltkriegs eines des größten Kriegsgefangenenlager des Deutschen Reiches, Stalag VII A (Mannschaftsstammlager im Wehrkreis VII, Nr. A).
Errichtet ab dem 22.09.1939 nahm das Lager am 19.10.1939 die ersten Kriegsgefangenen auf. Im Hauptlager in Moosburg selbst und in zahlreichen angeschlossenen Außenlagern in ganz Südbayern waren zu Kriegsbeginn rund 10.000, gegen Kriegsende über 100.000 Gefangene untergebracht. Die meisten leisteten in Landwirtschaft und Industrie Zwangsarbeit. Für die viele in Gefangenschaft geratenen Soldaten war das Hauptlager in Moosburg daher nur Durchgangsstation. Hier wurden sie registriert, medizinisch behandelt und dann auf Arbeitskommandos verteilt. Am 29.04.1945 befreiten amerikanische Truppen das Lager.
Im Bereich von Stalag VII A starben etwa 1000 Gefangene – weit überwiegend sowjetische Soldaten, die vielfach bereits völlig entkräftet im Lager ankamen.
Gerade was die sowjetischen Kriegsgefangenen anbelangt, weist Stalag VII A Besonderheiten auf. Die Lagerleitung und vorgesetzte Offiziere versuchten im Herbst/Winter 1941/42, die gezielte Tötung sowjetischer Gefangener durch Gestapo und SS zu verhindern – ein reichsweit einzigartiger Vorgang. Außerdem wurde im Bereich des Stalag VII A die B.S.W. (Brüderliche Vereinigung der Kriegsgefangenen) gegründet, die größte und bedeutendste Untergrundorganisation sowjetischer Gefangener im Reichsgebiet.

Der Vortrag stellt die Geschichte von Stalag VII A und die verschiedenen Aspekte des Lebens im Lager dar. Er wird sich dabei auch mit den Besonderheiten des Lagers beschäftigen und versuchen, diese in die Entwicklung des deutschen Kriegsgefangenenwesens des Zweiten Weltkriegs einzuordnen.


5. November 2018

im Rahmen der Landshuter Literaturtage 2018

Prof. Dr. Rainer Liedke, Regensburg

Von der Vielfalt zur Einheit? Grundzüge der historischen Entwicklung Europas seit dem 18. Jahrhundert

Die Frage nach Europa beinhaltet auch die Frage nach der historischen Herkunft dessen, was wir als Europa betrachten. Was hat den Kontinent geprägt, so wie wir ihn heute sehen und verstehen? Hat es jenes Selbstverständnis immer schon gegeben, jenseits lokaler oder nationaler Selbstdefinition auch Europäer zu sein? Oder ist dieses Europabewusstsein deutlich jüngeren Datums? Prof. Dr. Rainer Liedtke wird in seinem Vortrag diesen Fragen nachgehen. Für ihn setzt die Beantwortung mit dem Prozess der Industrialisierung ein, der im 18. Jahrhundert begann und Europa deutlich unterschiedlich prägte. Verschiedene Fortschrittsgeschwindigkeiten hatten beispielsweise bedeutsame Migrationsströme und unterschiedliche Bildungsstandards zur Folge. Die sich im 19. Jahrhundert noch einmal völlig neu organisierenden Nationalstaaten entwickelten zunächst ein kontinentweites Mit dann ein schreckliches kriegerisches Gegeneinander, dessen friedenserhaltende Folge die heutige Europäische Union ist.


22. Januar 2019

Gerald Huber, München

Corradinos kurzes Leben
Vor 750 Jahren starb Konradin, der letzte Staufer

Der Königssohn Konrad, von den Italienern verkleinert Corradino, danach Konradin genannt, kam am 25. März 1252 auf Burg Wolfstein bei Landshut als Sohn des Stauferkönigs Konrad IV. und der Wittelsbacherin Elisabeth und als Enkel des berühmten Stauferkaisers Friedrich II. zur Welt. Konradins Vater starb früh in Italien. Der Sohn wuchs unter der Vormundschaft seiner beiden bayerischen Herzogsonkel auf. Seine Kindheit war geprägt von Versuchen, die alte Macht für das Haus Hohenstaufen zurückzugewinnen. Dabei wollten viele von dem Knaben profitieren.

Konradin reiste im Tross des oberbayerischen Herzogs Ludwig II. in ganz Süddeutschland umher. Es gelang tatsächlich, die Rechtsansprüche des Knaben auf das Herzogtum Schwaben und die Krone Siziliens offiziell aufrechtzuerhalten. Als Konradin mit Vollendung seines 15. Lebensjahrs offiziell volljährig wurde, zog er schließlich nach Italien, um sein Erbe zurückzugewinnen. Nach anfänglichem Triumphzug bis nach Rom verlor er die Entscheidungsschlacht gegen Karl von Anjou, der vom Papst als sizilischer König eingesetzt worden war. Auf der Flucht wurde der Knabe gefangengenommen und am 29. Oktober 1268 in Neapel enthauptet. Die bayerischen Herzöge, Hauptfinanzgeber für den Italienzug, wurden nun Konradins Haupterben. An sie fiel die alten staufischen Besitzungen am Lechrain, in Ostschwaben und der Oberpfalz. Das Staufererbe markierte einen enormen Land- und Machtzuwachs für die Wittelsbacher.

Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende. Konradins Zeit, das Interregnum, ist einer der bedeutendsten Dreh- und Angelpunkte des europäischen Mittelalters. Die Idee vom mittelalterlichen Universalreich war endgültig zu Ende. Stattdessen begann die Herausbildung europäischer Nationen sowie der Aufstieg der Städte und bürgerliches Selbstbewusstseins. Konradins blutiges Schicksal bildete den Ursprung einer über Jahrhunderte konstruierten Erbfeindschaft zwischen Deutschen und Franzosen, die bis ins 20. Jahrhundert gewirkt hat.


26. Februar 2019

Gerhard Schneider, Mainkofen

„Euthanasie“ und Zwangssterilisation in der Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen

In vielen Heil- und Pflegeanstalten in Deutschland wurden zwischen 1933 und 1945 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Auch in Niederbayern starben zahlreiche Menschen infolge von Hunger und gezielter Tötung. Gerhard Schneider, dem Krankenhausdirektor des Bezirksklinikums Mainkofen, gebührt das Verdienst, tausende Akten von betroffenen Patienten vor dem Schreddern gerettet zu haben. Dadurch konnte die Geschichte des Klinikums Mainkofen während der NS-Zeit erforscht und aufgearbeitet werden. Über Jahrzehnte hinweg rekonstruierte Gerhard Schneider die Namen aller bekannten Opfer und die furchtbaren Geschehnisse. Infolge dessen eröffnete der Bezirk Niederbayern am 28. Oktober 2014 zur Erinnerung und Mahnung eine Gedenkstätte in Mainkofen.


26. März 2019

Gudrun Malcher, Regensburg

Die Oxen-Connection

Der Vortrag "Die Oxen-Connection" lädt zu einer Zeitreise in die Jahre 1300 bis 1850 ein und stellt einen bisher unbekannten Wirtschaftszweig in Regensburg und Niederbayern vor: Die Hintergründe des internationalen Ochsenhandels von Ungarn, Polen, Österreich durch Baiern. Wildwest in Baiern! Im Vordergrund steht die brillante Logistik der äußerst schwierigen Fleischversorgung Bayerns durch Viehbarone, Metzger, Adlige, Pfarrer und Hirten, die Akteure dieses sehr riskanten, aber auch äußerst lukrativen Geschäfts. Über ein weitverzweigtes Handelsnetz wurden bis zu 200.000 große, wilde Steppenochsen jährlich von mutigen Männern in den Westen getrieben, um dort den Fleisch- und Materialhunger der Bürger zu stillen. Lebensmittel- und Gastgewerbe, auch viele Handwerke, das Militär und der Bergbau profitierten enorm.
Schriftliche Quellen, wie z. B. Urkunden und Prozessakten, Dokumente der Metzgerzunft, das Geschäftsbuch der Runtinger und Zollregister liefern wertvolle Fakten, ergänzt durch Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen, der Altstraßenforschung, aus Flurnamen, der Kunstgeschichte und der Volkskunde.
Die Schreibweise mit „x“ für die Oxen verweist auf alte süddeutsche Quellen.


30. April 2019

Dr. Ludwig Hoegner, München

Dr. Wilhelm Hoegner

"Wie wird ein „Sozi“ Ministerpräsident in Bayern und warum liest sich die Bayerische Verfassung wie ein SPD-Grundsatzprogramm?“ Diese und weitere Fragen beantwortet Ludwig Hoegner, Urenkel des Bayerischen Ministerpräsidenten und Vaters der Bayerischen Verfassung, Dr. Wilhelm Hoegner.

Die Textpassagen umfassen Wilhelm Hoegners Jugendzeit als Arbeiterkind im königlichen Seminar in Burghausen, seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Zeit des Wideraufbaus des demokratischen Bayern.

Ludwig Hoegner gibt dabei keinen einfachen historischen Rückblick auf das Leben seines Urgroßvaters, sondern kommentiert die einzelnen Texte aus heutiger Sicht.


Bitte beachten Sie:

Vor dem Vortrag findet um 19 Uhr die Generalversammlung des
Historischen Vereins für Niederbayern statt.

Tagesordnung:

  • Geschäftsbericht des 1. Vorsitzenden
  • Bericht der Schatzmeisterin
  • Entlastung der Vorstandschaft
  • Neuwahlen
  • Ausblick
  • Anregungen und Wünsche

Anträge sind bitte bis zum 16. April 2019 in der Geschäftsstelle
oder beim 1. Vorsitzenden abzugeben.